Lille, viertgrößte Stadt Frankreichs, besitzt eine tausendjährige Geschichte, geprägt durch ihre strategische Lage am Kreuzungspunkt der großen europäischen Handelsstraßen. Abwechselnd flämisch, burgundisch, spanisch und dann französisch, hat die Stadt es verstanden, aus jedem dieser Einflüsse Nutzen zu ziehen, um die kosmopolitische Metropole zu werden, die wir heute kennen. Ein Rückblick auf 10 Daten, die ihr Schicksal geprägt haben.
640: Die Legende von Lyderic und Phinaert
Die legendäre Gründung von Lille geht auf das Jahr 640 zurück, mit der Erzählung von Lyderic, einem bei der Geburt ausgesetzten Prinzen, der den Riesen Phinaert besiegte, um sein Land zurückzugewinnen. Diese Legende wird noch heute durch die Riesenfiguren der Braderie und die Volksfeste gefeiert.
1066: Erste Erwähnung von « l'Isla »
Der Name Lille taucht zum ersten Mal in einer Urkunde des Grafen von Flandern Balduin V. auf, in der Form « Isla », was « die Insel » bedeutet, in Anlehnung an die Lage der Stadt auf einer Insel der Deuˆle. Die Siedlung war damals ein blühender Handelsort.
1237: Gründung des Hospice Comtesse
Die Gräfin Johanna von Flandern gründet das Hospital, das zum Musée de l'Hospice Comtesse werden sollte, einem der schönsten Zeugnisse des Liller Mittelalters. In dieser Epoche entwickelte sich Lille zu einer bedeutenden Tuchmacherstadt, reich und mächtig.
1369: Lille unter den Herzögen von Burgund
Durch die Heirat von Margarete von Flandern mit Philipp dem Kühnen gelangt Lille unter die Herrschaft der Herzöge von Burgund. Es beginnt ein goldenes Zeitalter in Kultur und Wirtschaft. Der Palais Rihour, erbaut von Philipp dem Guten, zeugt von dieser burgundischen Größe.
1667: Die Eroberung durch Ludwig XIV.
Nach einer neuntägigen Belagerung nimmt Ludwig XIV. Lille den Spaniern ab. Die Stadt wird durch den Vertrag von Aachen 1668 endgültig französisch. Der Sonnenkönig beauftragt Vauban mit dem Bau der Zitadelle, einem Meisterwerk der Militärarchitektur, und erweitert die Stadt beträchtlich.
1890: Charles de Gaulle wird in Lille geboren
Am 22. November 1890 wird Charles de Gaulle in der Rue Princesse 9 im Vieux-Lille geboren. Das Geburtshaus ist heute ein Museum, das der Jugend des späteren Generals und Präsidenten der Republik gewidmet ist.
1858: Die Eingemeindung der Nachbarorte
Lille gliedert die Gemeinden Wazemmes, Esquermes, Fives und Moulins ein und vervierfacht damit seine Fläche bei gleichzeitiger Verdopplung seiner Bevölkerung. Das Viertel Wazemmes bewahrt bis heute seine eigene Identität.
1993: Die Ankunft des TGV und des Eurostar
Die Eröffnung des Bahnhofs Lille-Europe und die Ankunft des TGV Nord sowie des Eurostar positionieren Lille im Zentrum des Dreiecks Paris-London-Brüssel. Diese Bahnanbindung verändert die Wirtschaft und das Image der Stadt grundlegend und bringt das Geschäftsviertel Euralille hervor.
2004: Lille, Europäische Kulturhauptstadt
Das Jahr 2004 markiert einen entscheidenden Wendepunkt. Lille wird zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt, zieht Millionen von Besuchern an und offenbart der Welt ihre kreative Dynamik. Aus diesem Abenteuer entsteht Lille 3000, das den kulturellen Schwung fortführt.
2020-2025: Lille, Metropole des 21. Jahrhunderts
Heute setzt Lille seine Metamorphose fort mit großen Stadtentwicklungsprojekten, einer pulsierenden Kulturszene und einer wirtschaftlichen Dynamik, die von Digitalisierung und Innovation getragen wird. Die Metropolregion Lille behauptet sich als einer der bedeutenden Pole im nordwestlichen Europa.
